Endemische Arten sind Pflanzen- oder Tierarten, die auf der ganzen Erde nur in einem eng begrenzten Gebiet vorkommen. Zu ihnen gehören die Fränkische und die Hersbrucker Mehlbeere und weitere nah verwandte Arten. Sie wachsen weltweit nur in der nördlichen Frankenalb. Würden sie hier verschwinden, wären sie unwiederbringlich verloren.
Wie sind sie entstanden?
Wie entstehen solche Endemiten eigentlich. Nun- die meisten von Ihnen kennen die endemischen Arten der Galapagos-Inseln: Meeresleguane und Riesenschildkröten. Auf jeder der Inseln kommen andere Riesenschildkröten vor. Die Verinselung ist Ursache für die eigenständige Entwicklung von Arten auf einem kleinen Areal. Verinselung oder Isolation von Arten kann aber recht unterschiedliche Gründe haben. Ursprünglich waren unsere endemischen Mehlbeeren die Nachkommen von zwei nah verwandten Elternteilen, z.B der Elsbeere (Sorbus torminalis) und verschiedenen Arten aus der Verwandschaft der gewöhnlichen Mehlbeere (Sorbus aria agg.). Nachkommen aus solchen Verwandtschaftsverhältnissen sind in der Regel unfruchtbar. Ein Beispiel aus dem Tierreich wäre der unfruchtbare Nachwuchs von Pferdestute und Eselhengst, das Maultier. Im Fall unserer Mehlbeeren, hat sich das Kreuzungsprodukt aus Elsbeere und Gewöhnlicher Mehlbeere sozusagen selbständig gemacht und „beschlossen“, nicht länger unfruchtbar zu bleiben, sondern fruchtbar zu werden. Die „neue Art“ hat sich von den beteiligten Elternarten abgegrenzt und dadurch auch isoliert, verinselt- ein Zurück war ab diesem Zeitpunkt praktisch nicht mehr möglich. Diese neue Mehlbeerenart pflanzt sich ungeschlechtlich fort, produziert also auf ungeschlechtlichem Weg fruchtbare Samen und ist in ihren äußeren Merkmalen sehr konstant. Diese sogenannten apomiktischen Arten sind jeweils Endemiten in kleinen Arealen. Damit ist allerdings nur das Prinzip der Entstehung beschrieben. Im Einzelnen sind die Vorgänge komplizierter.
Um Betzenstein kommen gleich zwei solcher hochgradig gefährdeter Mehlbeerenarten vor: die (Sorbus franconica) und die (Sorbus pseudothuringiaca). Mehlbeeren sind , die lichtreiche, trockenwarme Standorte bevorzugen. Solche Bedingungen waren nach den Eiszeiten lange gegeben und es fehlte vor allem die Konkurrenz durch Großbäume, die erst im Laufe der Jahrtausende wieder zuwanderten. Später trug der Mensch dazu bei, die Standorte frei von konkurrierendem Bewuchs zu halten. Natürliche Standorte sind z.B. Waldränder, lichte Wälder, Felsen und Hecken. Bis in unser Jahrhundert hinein kamen die Mehlbeeren in der Nördlichen Frankenalb noch häufiger vor: da die Wälder durch Brennholzgewinnung und Waldweide deutlich lichter als heute waren, boten sie den Mehlbeeren und anderen lichtliebenden Tier- und Pflanzenarten ideale Wuchsbedingungen. Mit der Aufgabe dieser traditionellen Nutzung verschwanden die endemischen Mehlbeeren jedoch von solchen Standorten- im Konkurrenzkampf mit schneller wachsenden Bäumen hatten sie keine Chance.
Um die endemischen Mehlbeeren zu schützen, müssen wir ihre Lebensbedingungen verbessern. Entscheidend ist, dass sie genug Licht bekommen. Deshalb wird versucht, durch die Auflichtung ausgewählter Waldbereiche wieder gute Wuchsorte zu schaffen. Ergänzend dazu werden durch gezielte Pflegemaßnahmen einzelne, kräftige und fruchtende Exemplare gefördert. Ziel ist es, ein großflächiges Netz von geeigneten Lebensräumen für die Mehlbeeren zu erhalten und zu entwickeln. Denn erst in einem Biotopverbund ist ein langfristiges Überleben der endemischen Mehlbeerenarten gesichert. Das kommt nicht nur den Mehlbeeren, sondern auch etlichen anderen, seltenen und lichtbedürftigen Arten zugute.
Merkmale
Hersbrucker Mehlbeere:
Der Schnitt der einzelnen und nicht tief.
Die .
Fränkische Mehlbeere:
An Kurztrieben ist das Blatt meist .
Die .
Wussten Sie...
... dass der Name „Mehlbeere“ sich tatsächlich auf eine frühere Nutzungsform der Früchte bezieht? In schlechten Zeiten wurde der Inhalt der kleinen Früchte als Mehlersatz verwendet.
... dass in der nördlichen Frankenalb noch weitere endemische Arten vorkommen, die es weltweit nur hier gibt? Beispiele wären das Fränkische Habichtskraut (Hieracium franconicum) oder das- seit einigen Jahren verschollene und wahrscheinlich endgültig ausgestorbene- Jura-Widderchen (Zygaena cynaerae franconica).
... dass es bei uns in Betzenstein einen neu angelegten gibt? Das Bild ist zur offiziellen Einweihung entstanden und zeigt behinderte Jugendliche aus dem Wichernhaus in Altdorf. Zu sehen ist außerdem die Infotafel, der örtliche Revierbetreuungsförster, Robert Lindl sowie Altbürgermeister Friedrich Funk. Der Weg ist von der Schule aus einfach zu erreichen.
Die Fotografien auf dieser Seite wurden freundlicherweise von Dipl. Biologin Barbara Füchtbauer zur Verfügung gestellt.